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RECYCLING-TECHNIK 2017

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Was ist Urban Mining?

Rückgewinnung von Wertstoffen


Der Begriff „Urban Mining“ betrachtet Städte und Siedlungen als Rohstoffminen, in denen wertvolle Ressourcen über unterschiedlich lange Zeiträume gebunden sind, im Anschluss aber wieder frei und nutzbar werden. Urban Mining befasst sich mit dem Rückbau, Abbruch und der Wiederverwertung von Rohstoffen. Diese anthropogenen – also vom Menschen gemachten – Minen sind in einem ersten Schritt zu identifizieren. Die Art und Menge der gebundenen Rohstoffe muss festgestellt und aufgenommen werden, ebenso der Zeitpunkt, zu dem sie für eine Wiederverwendung zur Verfügung stehen. Aus der Analyse der bestehenden Minen und Lager, der Rohstoffe und der Liegezeiten werden Prognosen für die Zukunft abgeleitet. Abhängig von der Siedlungsdichte ergeben sich daraus unterschiedliche Szenarien für Ballungsräume und ländliche Regionen.

 

Jedes Jahr werden in Deutschland sechs bis 15 Millionen Tonnen Stahl, 0,5 bis eine Million Tonnen Kupfer und 0,2 bis 0,5 Millionen Tonnen Aluminium verbaut. Der Stahl dient hauptsächlich der Armierung von Beton, das Kupfer steckt in Elektrokabeln, Transformatoren und Wasserrohren, das Aluminium in Außenverkleidungen und Fensterrahmen. Den Bestand in Hochbau, Haustechnik und Tiefbau schätzen Experten auf mindestens eine Milliarde Tonnen Stahl, sechs Millionen Tonnen Kupfer und drei Millionen Tonnen Aluminium. Diese Materialien fallen früher oder später als Schrott an. Ihr Gesamtwert beträgt nach aktuellen Schrottpreisen 140 Milliarden Euro bei Stahl, 24 Milliarden Euro bei Aluminium und zwei Milliarden Euro bei Kupfer. Die jährliche Abrissrate liegt bei 0,1 Prozent des Bestands für Wohngebäude und 0,35 Prozent für Nichtwohngebäude. Theoretisch könnten damit durch Stahl-, Kupfer- und Aluminiumschrott aus dem Bestandsabbruch 140 bis 490 Millionen Euro (Stahl), 24 bis 84 Millionen Euro (Kupfer) beziehungsweise zwei bis sieben Millionen Euro (Aluminium) erlöst werden. Wie viel es pro Jahr tatsächlich sind, dazu fehlen verlässliche Zahlen. Es ist anzunehmen, dass ein erheblicher Teil der Konstruktionsmetalle, für die es etablierte Recyclingrouten gibt, bereits wiederverwendet wird. Beim Abbruch von Gebäuden ist die Betonaufbereitung – inklusive Trennung von mineralischen und metallischen Bestandteilen – bei größeren Objekten die Regel. In vielen Fällen dürften die Bauherren jedoch kaum darüber informiert sein, welche Werte sie bei Abriss, Rückbau oder Sanierung dem beauftragten Unternehmen überlassen, die die aufbereiteten Sekundärmaterialien Gewinn bringend auf den Recyclingmärkten verkaufen. Bei der Kalkulation der Kosten für Abriss, Rückbau und (Teil-)Sanierung sollte der Wert der zu erwartenden Schrotte einbezogen werden.

Sammlung von Wertstoffen

Beim Stichwort Urban Mining denken manche daran, dass alte Deponien erschlossen werden, auf denen in früheren Jahrzehnten Fahrräder, Waschmaschinen und Fernseher entsorgt wurden, um so insbesondere wertvolle Metalle zurückzugewinnen.Vergleicht man jedoch den geschätzten Inhalt aller Altablagerungen in Deutschland mit dem jährlichen Produktionsvolumen, so könnte der gesamte Wertstoffgehalt der Altdeponien den Jahresbedarf bei Eisen und Stahl nur zur Hälfte und bei Kupfer und Aluminium nur ein einziges Jahr lang decken. Dazu kommt, dass 10.000 bis 100.000 Altablagerungen abgegraben werden mussten, um an jene Metalle zu gelangen. Insofern kann das Auskoffern von alten Deponiestandorten den Bedarf an wichtigen Grundwerkstoffen nicht nachhaltig decken. Dazu müssen Quellen erschlossen werden, die langfristig sprudeln. Hierzu gehört die Erschließung des Materiallagers im Hoch- und Tiefbau. Dass so etwas möglich ist, hat die Stadt Zürich vorgemacht. Das Hochbauamt hat unter Mithilfe der Eidgenössischen Technischen Hochschule ein System zum Ressourcenmanagement eingeführt.

 

Beim Urban Mining geht es aber nicht nur um Gebäude und Infrastrukturen und ihre wertvollen Materialgehalte. Es geht auch um die Nutzbarmachung von ausrangierten Altprodukten, die sich in Kellern und auf Dachböden stapeln. Den Eigentümern fehlen häufig Informationen, was damit geschehen kann, und welche Verwertung die Sinnvollste ist. Auch am Wuppertal Institut arbeitet man daran, die Informationsgrundlagen für ein Urban Mining zu verbessern und dessen Potenziale nutzbar zu machen. Künftig wird man weniger in die Ferne schweifen müssen, um den Zugang zu wichtigen Rohstoffen zu erschließen.

Quellen:
Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme, Lehrgebiet Stoffstrom- und Ressourcenmanagement an der FH Münster
Prof. Dr. Stefan Bringezu, Lehrgebiet nachhaltiges Ressourcenmanagement an der Universität Kassel


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